Die Schattenseiten von Amazon

Die Schattenseiten von Amazon

Beitragvon helbob » Mi Sep 12, 2012 7:59 pm

Die Schattenseiten von Amazon

http://www.ciao.de/Amazon_de__Test_8769659

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Kein Haken bei Amazon? Widerspruch!
Klar, in der Regel läuft alles sehr rund beim Bestellen über die Seite, aber hier möchte ich einen kleinen Einblick darüber geben, was bei Amazon im Argen liegt:
1. Datenschutz
Informationen über Buchbestellungen und andere Käufe sind den Zoll- und Einwanderungsbeamten der USA offenbar frei zugänglich. In mindestens einem Fall wurde am Flughafen in den U.S.A. die Einreise verweigert mit Verweis auf Bestellungen bei Amazon.
Quellen: http://www.intern.de/news_archiv/4874.html%20&%20http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,365663,00.html

2. Ausbeutung eigener Mitarbeiter
In Großbritannien erhalten Arbeitnehmer Strafpunkte für jeden Krankheitstag, eine Woche krankheitsbedingter Abwesenheit reicht zum Rauswurf.
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/amazo ... 57177.html
ver.di: 50-60 Stundenwochen auch in unteren Lohngruppen, Abmahnungen bei Zielnichterfüllung, Mobbing, schlechte Bezahlung
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,420030,00.html

In Rheinberg und Werne mußten mehrere Hundert Arbeitslose erst ein unbezahltes Praktikum machen, bevor über ihre Weiterbeschäftigung entschieden wird. Es sei dazu gang und gäbe, dass anschliessend nur kurze befristete Verträge (über Wochen oder Monate) anstatt dauerhafter Jobs geschaffen werde.
Quelle: http://www.derwesten.de/panorama/amazon ... 47753.html
„Die Angst befristeter Mitarbeiter ist offenbar Teil des Geschäftsmodells“
Quelle: http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=8816750/pv=video/nid=233454/1ny46o5/index.html

3. Unlautere Privatverkäuferbehandlung und Gebührenfalle
Vorab: Ja, die Gebühren stehen im Voraus fest. Meines Erachtens sind diese viel zu hoch und deren Berechnung ist für Laien kaum nachvollziehbar. Wenn man z.B. Bücher verkaufen will, werden die "Versandkosten" von Amazon mit 3 Euro unabänderlich fest gelegt. In Wirklichkeit sind regulär 1,16 € davon nicht Versandkosten, sondern "variable Abschlussgebühr" von Amazon und dann wird einem noch die "Verkaufsgebühr" von 1,14 € (+15 % des Verkaufspreises) oben drauf berechnet.
Stellt man selbst also ein Buch für 1 Cent ein, zahlt der Käufer 3,01 Euro. Als Privatverkäufer (bzw. wenn man kein "Power-Anbieter" ist) gehen davon 1,16 Euro variable Abschlussgebühr und 1,14 Euro Verkaufsgebühr ab, die sonst zuzüglichen 15 % des Verkaufspreises entfallen hier, so dass man auf 2,30 Euro an Amazongebühren kommt. Dazu kommen dann bei der Post im ungünstigen Falle eines großen Buches noch z. B. 1,40 Euro für eine "Büchersendung Maxi" und bis zu 1,20 Euro für eine entsprechende Luftpolstertasche. Nochmal übersichtlich:

Verkaufspreis: 0,01 Euro
+ Sogenannte "Versandkosten": 3 Euro
= Käuferzahlung 3,01 Euro
- Amazongebühren: 2,30 Euro
- Porto Büchersendung: 1,40 Euro
- Luftpolstertasche: 1,20 Euro
= -1,89 Euro
Man hat also den ganzen Aufwand (einstellen des Artikels, prüfen des Zahlungseingangs, Kauf von Porto und Verpackung & zeitnahes versenden) und macht aufgrund des unfairen Gebührenmodells auch noch Verlust!

Und das ist nichtmal der "worst case", da ich auch schonmal ein Buch verkauft hatte, dass aufgrund seiner Ausmaße nicht mehr als "Büchersendung Maxi" zu versenden war.
Der Käufer hingegen fühlt sich möglicherweiße wegen überhöhter Versandkosten (die 3 Euro werden auch bei kleinen Büchern fällig) über den Tisch gezogen.

Dazu kommt, dass Amazon jeden Verkäufer wie einen Gewerbetreibenden behandelt, es wird also z. B. nicht berücksichtigt, dass man als Privatverkäufer nicht dieselben Pflichten trägt wie ein Gewerbetreibender (z. B. trägt man NICHT das Versandrisiko).

4. Zensur?
2009 verschwanden haufenweise homoerotische Artikel aus den Rankings.
Quelle: http://diepresse.com/home/techscience/i ... 9/index.do

Ende 2010 kündigte Amazon die Vertragsbeziehungen mit WikiLeaks, welche die Amazon Web Services nutzte, um bis dato geheime diplomatischen US-Depeschen zu veröffentlichen.
http://www.tagesschau.de/ausland/wikileaks232.html
Außerdem ist es nicht möglich, gebrauchte Vibratoren u. ä. bei Amazon zu verkaufen.

5. Wiedereinführung der Sippenhaft
Amazon sperrte einer ganzen Familie das Konto, obwohl es nur bei einer Person Schulden gab, die aber schon seit 2 Jahren beglichen waren.
Quelle: http://www.heise.de/ct-tv/artikel/Video-Sippenhaft-938347.html

Mein Fazit:
Wer mit seinen Einkäufen gute Arbeitsbedingungen, Datenschutz, Transparenz und Fairness fördern will, sollte bevorzugt woanders einkaufen.
Neue Bücher z. B. gibts aufgrund der Preisbindung auch im guten alten Fachgeschäft von nebenan zum selben Preis und man fördert die lokale Wirtschaft und i. d. R. auch bessere Arbeitsbedingungen.

Amazon ist gut zum Verkauf selten gefragter, aber teurer Bücher, falls es nicht eilt. Für seinen alten Normalbuchbestand auszumisten, ist man mit einer Buchspende, z. B. an Oxfam, sicher besser beraten.
helbob
 
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